Vorlesung Keio 2002/2003
Nietzsches Aphoristik
Im Werk Friedrich Nietzsches (1844-1900) nimmt der Aphorismus noch ausgeprägter als in der Gattungsgeschichte eine Zwischenstellung zwischen Literatur und Philosophie ein. Dem systematischen Denken innerhalb einer vorgefertigten Begriffsarchitektur zieht Nietzsche (spätestens seit der Aufgabe der Basler Professur) die formale Offenheit und sprachkritische Beweglichkeit der Aphoristik vor, die im Bündnis mit dem Paradoxon immer schon dem logischen Gebot der Widerspruchsfreiheit spottet. Nicht nur durch Themen, Titel und Thesen, sondern auch durch seinen aphoristischen "Stil" hat Nietzsche das Denken und Schreiben bis heute nachhaltig beeinflußt. Die selbständigen Sammlungen Menschliches, Allzumenschliches, Morgenröthe und Fröhliche Wissenschaft sowie die "Sprüche und Zwischenspiele" aus Jenseits von Gut und Böse und die "Sprüche und Pfeile" aus Götzen-Dämmerung werden wir besonders beachten.
Texte in: Friedrich Nietzsche: Sämtliche Werke. Kritische Studienausgabe. Hg.v. G.Colli /M.Montinari. DTV/ de Gruyter, München/Berlin /NewYork 1980. Weitere Texte und Materialien werden zur Verfügung gestellt.